ich muss mikel Recht geben – der Spiegel nähert sich immer mehr ans Niveau der Bildzeitung an. wie sonst soll man eine Schlagzeile wie „Junkies im Monsterrausch“ verstehen?
worum es geht? na wieder um die Killerraubmordkopierspiele. schließlich ist jeder Computerspieler ein potenzieller Amokläufer – und wenn nicht, dann liegt das daran, dass er durchs anhaltende Computerspielen zu dick und faul dazu geworden ist. oder sich einfach nicht für einen kurzen Schulausflug von seiner Sucht lösen kann. Trinker – kein Problem! Raucher – arme verbotsgeplagte Gesellen! Computerspieler – alles Junkies, gesellschaftlich verwahrloste Gestalten die durchs Spielen Job, Freunde und Lebensgefährden verlieren.
nein wirklich – wenn ich so einen Mist lese kommt es mir hoch! ich spiele seit ich lesen kann Computerspiele. mit dem C64 meines Bruders hat es angefangen, später hatte ich meinen eigenen PC und heute bin ich Diplomingenieur für Informationstechnik, Applications-Manager – und das trotz der Tatsache, dass ich weiterhin spiele. und nicht nur das – ich spiele sogar das gefährlichste aller Suchtspiele: World of Warcraft. und das seit 2,5 Jahren (mit längeren Pausen, in denen ich anderes spielte).
eigentlich müsste ich also schon längst Job und Frau verloren haben. entweder das – oder all die tollen Dokus und Berichte sind letztlich nur das, was sie zu sein scheinen: Zielgruppenfernsehen. Versuche den Eltern klarzumachen, dass nicht etwa sie bei der Erziehung ihrer Kinder versagt haben, sondern dass es die teuflischen Computerspiele sind, die Schuld an allem haben.
sind die dort dargestellten Beispiele aber völlig aus der Luft gegriffen? nein – Suchtverhalten gibt es natürlich auch bei Computerspielern. wer nur spielt, sich mit nix anderem mehr beschäftigt der ist süchtig. genau wie jemand der am Morgen anfängt zu trinken, rauchen, koksen. aber entgegen der Darstellung ist das nicht die Mehrzahl der Computerspieler, sondern eine Teilmenge.
daher: Gaming is NOT a crime!